Die Erfolgsschwellen anzuheben bedeutet, die Freude an der Anstrengung neu zu bekräftigen und jedem Schüler die solide Grundlage zu geben, um seinen Weg im Sekundarunterricht erfolgreich zu gestalten.
Mit dieser Maßnahme wollen die Regierung der Föderation Wallonie-Brüssel und die Bildungsministerin Valérie Glatigny die wesentlichen Grundlagen festigen, das Scheitern verringern und den Wert der Diplome garantieren.
Mehr Anspruch, ja! Aber auch mehr Begleitung für einen dauerhaften Erfolg.
- Die Zahlen zeigen eine erhebliche Diskrepanz zwischen einer hohen Erfolgsquote beim Primarschulabschluss (CEB) und hohen Sitzenbleiberquoten bereits im Sekundarunterricht.
- Der Erfolg beim CEB garantiert nicht immer eine ausreichende Beherrschung der Grundkenntnisse, um den Sekundarunterricht gelassen anzugehen.
- Die Anhebung der Schwellen zielt gerade darauf ab, diese Diskrepanz zu verringern, indem die Grundlagen vor dem Übertritt in den Sekundarunterricht gefestigt werden, unter anderem durch persönliche Begleitung bei Schwierigkeiten.
- Diese Maßnahme steht nicht für sich allein. Sie ist Teil einer umfassenden Vision zur Stärkung der Grundkenntnisse.
- Mehr Anspruch geht Hand in Hand mit zusätzlichen Mitteln für Begleitung und Erfolgshilfe.
- Diese Maßnahme ist Teil der Verpflichtungen der Gemeinschaftserklärung.
1. Die Anhebung der Erfolgsschwellen im Überblick
Ab dem Schuljahr 2026-2027 (erste Anwendung im Juni 2027):
CEB (im 6. Grundschuljahr)
- Mindestens 50 % in jedem bewerteten Fach (Französisch, Mathematik, Naturwissenschaften, Geschichte und Erdkunde);
- 60 % Gesamtdurchschnitt für alle Prüfungen zusammen.
CE1D (im 2. Sekundarschuljahr)
- 60 % für jede Prüfung (Französisch, Mathematik, Naturwissenschaften, moderne Sprachen).
CESS (im 6. Sekundarschuljahr)
- 60 % für jede Prüfung (Französisch und Geschichte).
Für das CE1D und das CESS beruht der Erhalt des Diploms weiterhin auf einer Gesamtbewertung, die den Erfolg bei den externen Prüfungen mit der Arbeit über das ganze Jahr kombiniert. Die Autonomie der Klassenkonferenzen und Prüfungsausschüsse bleibt vollständig erhalten.
2. Die politische und pädagogische Bedeutung der Reform
Ein bewusst gestellter Anspruch
Die Maßnahme ist Teil der Verpflichtungen der Gemeinschaftserklärung: „die Qualität des Lernens stärken und die Erfolgsschwelle der Zertifizierungsprüfungen auf 60 % anheben, unbeschadet der Autonomie der pädagogischen Teams.“
Die Schwellen anzuheben bedeutet weder Ausschluss noch Bestrafung. Es bedeutet:
- Klare Erwartungen formulieren;
- Die Fähigkeit der Schüler zur Weiterentwicklung anerkennen;
- Die Freude an der Anstrengung wiederherstellen;
- Garantieren, dass Diplome tatsächlich beherrschte Kompetenzen bescheinigen. Ein Diplom hat nur Wert, wenn es einem realen Beherrschungsniveau entspricht.
3. Eine besorgniserregende Kluft zwischen Primar- und Sekundarunterricht
Die Zahlen zeigen eine erhebliche Diskrepanz zwischen einer hohen Erfolgsquote beim CEB (86 bis 93 % je nach Jahr; 86,90 % im Jahr 2025) und hohen Sitzenbleiberquoten bereits im Sekundarunterricht:
Sitzenbleiberquote im Sekundarunterricht (2022-2023):
- 13,8 % im 2. Sekundarschuljahr
- 16,6 % im 3. Sekundarschuljahr
- 15 % im 4. Sekundarschuljahr
- 16,4 % im 5. Sekundarschuljahr
Dieser Kontrast zeigt, dass der Erfolg beim CEB nicht immer eine ausreichende Beherrschung der Grundkenntnisse garantiert, um den Sekundarunterricht gelassen anzugehen.
Die Anhebung der Schwellen zielt gerade darauf ab, diese Diskrepanz zu verringern, indem die Grundlagen vor dem Übertritt in den Sekundarunterricht gefestigt werden, unter anderem durch persönliche Begleitung bei Schwierigkeiten.
4. Eine Reform als Teil eines kohärenten Ganzen
Diese Maßnahme steht nicht für sich allein. Sie ist Teil einer umfassenden Vision zur Stärkung der Grundkenntnisse.
CLE-Test ab 2026-2027
- Durchgeführt zu Beginn des 4. Grundschuljahres
- Nicht zertifizierend
- Bietet einen Überblick über die erworbenen Kenntnisse in Rechnen, Lesen und Schreiben
- Ermöglicht eine persönliche Begleitung je nach Bedarf und eventuell festgestellten Schwierigkeiten beim Schüler
Stärkung der persönlichen Begleitung
- 320 VZÄ (17,6 Millionen €) im 3., 4., 5. und 6. Grundschuljahr
- 140 zusätzliche VZÄ (7,4 Millionen €) im 1. Sekundarschuljahr
- Beibehaltung der Mittel für die differenzierte Stufe (10.000 Lehrerstunden, bzw. 24,5 Millionen €) zur Unterstützung von Schülern, die das CEB ganz oder teilweise nicht bestanden haben, für die der Prüfungsausschuss aber aufgrund der Begleitakte entschieden hat, sie ins 1. Sekundarschuljahr übergehen zu lassen, sofern eine verstärkte Begleitung erfolgt
- Außergewöhnlicher Verbleib im 6. Grundschuljahr, falls der Schüler noch nicht bereit für den Sekundarunterricht ist
Mehr Anspruch geht also Hand in Hand mit zusätzlichen Mitteln für Begleitung und Erfolgshilfe.
5. Wissenschaftliche Grundlagen
Die Anhebung der Schwellen stützt sich auf eine Reihe nationaler und internationaler wissenschaftlicher Arbeiten zum schulischen Erfolg und zur Wirksamkeit von Bildungssystemen.
Diese Forschung zeigt, dass:
- Klare Erwartungen fördern Motivation und Durchhaltevermögen;
- Die Wertschätzung von Anstrengung und klare Erfolgskriterien stärken das Engagement;
- Leistungsfähige Systeme kombinieren hohe Standards mit differenzierter Unterstützung (persönliche Begleitung).
Die Docimologie (die Bewertungswissenschaft, die Prüfungen und Notensysteme systematisch untersucht) bestätigt, dass eine klare Schwelle die Kohärenz der Bewertungspraktiken stärkt und ein besseres Verständnis der Erfolgskriterien fördert.
Zu beachten ist, dass die derzeit geltende Schwelle (50 %) nie auf einer spezifischen wissenschaftlichen Studie beruhte. Eine Schwelle von 60 % festzulegen stellt also keinen Bruch mit einer früheren wissenschaftlichen Grundlage dar, sondern eine bewusste politische Entscheidung, die durch mehrere Arbeiten der Bildungswissenschaften untermauert wird.
6. Antworten auf die Kritik
„Das CEB ist bereits zu einfach“
Die Gestaltung der Prüfungen bleibt dem derzeitigen Anspruchsniveau entsprechend. Es geht nicht darum, den Schwierigkeitsgrad zu senken, um die Anhebung der Schwelle auszugleichen.
„Viele Schüler haben schon mehr als 60 %, warum ändern?“
Es geht nicht um den Gesamtdurchschnitt, sondern um die gesendete Botschaft: Ein Schüler, der mit 51 % besteht, verfügt nicht unbedingt über die solide Grundlage, um im Sekundarunterricht erfolgreich zu sein. Ziel ist es, ein klares Signal an den Schüler und die Bildungsteams zu senden, einen Strategiewechsel zu fördern und schwerere, sich anhäufende Schwierigkeiten zu vermeiden.
„Das wird das Scheitern erhöhen“
Es wäre wissenschaftlich riskant, zukünftige Leistungen anhand vergangener Ergebnisse zu extrapolieren. Die Docimologie zeigt, dass sich Schüler ebenso wie Lehrkräfte an die geäußerten Erwartungen anpassen, wenn eine Schwelle klar festgelegt, vorab bekannt und in die pädagogische Praxis integriert ist. Diese Schwelle hat eine mobilisierende Wirkung und verändert das Lernverhalten.
Selbstverständlich ist eine spezifische Begleitung für die schwächeren Schüler vorgesehen. Die endgültige Entscheidung bleibt außerdem pädagogisch: Die Autonomie der Klassenkonferenzen und Prüfungsausschüsse bleibt gewahrt.
7. Schlussfolgerung
Die Erfolgsschwellen anzuheben bedeutet:
- Den Wert der Diplome garantieren;
- Die Grundkenntnisse festigen;
- Scheitern und Schulabbruch im Sekundarunterricht verringern;
- Die Freude an der Anstrengung neu bekräftigen;
- Jeden Schüler zu einem echten und dauerhaften Erfolg begleiten.
Es ist eine kohärente Entscheidung im Dienst eines qualitativ hochwertigen Unterrichts, der Schülern alle Chancen gibt, ihren Schulweg gelassen fortzusetzen.