Dieser heute von den zuständigen Ministern genehmigte Plan ermöglicht es Belgien, die Chancen des E-Commerce zu nutzen und gleichzeitig entschlossen gegen unlautere Praktiken und gefährliche Produkte vorzugehen.
Wirtschaftsminister David Clarinval stellt den föderalen Aktionsplan „E-commerce PLUS“ vor, der aus der Taskforce E-Commerce hervorgegangen ist, die er seit ihrer Gründung im vergangenen September leitet. Die Taskforce brachte die zuständigen Minister für Wirtschaft, Finanzen, KMU, Verbraucherschutz, Digitales und Klima im Rahmen eines koordinierten und zukunftsorientierten Ansatzes zu den Herausforderungen und Chancen des E-Commerce zusammen.
Der Plan soll die schnelle Entwicklung des Online-Handels besser regeln, den Verbraucherschutz stärken und einen fairen Wettbewerb für belgische und europäische Unternehmen, KMU, Handwerker, Selbstständige und Einzelhändler gewährleisten.
„Online-Handel ist eine Chance. Aber die Regeln müssen für alle gleich sein. Heute entziehen sich zu viele kleine Pakete den Kontrollen und entsprechen nicht unseren Normen. Das gefährdet die Verbraucher und schwächt unsere Unternehmen. Wir handeln. Mit einer föderalen Taskforce verstärken wir die Kontrollen und die Zusammenarbeit, um einen fairen Wettbewerb zu gewährleisten und unsere Wirtschaft zu schützen. »
Sicherheitsrisiken
Im Jahr 2025 verzeichnete der Zoll in Belgien mehr als 1,3 Milliarden Pakete, im Durchschnitt 3,6 Millionen pro Tag, mit Spitzenwerten von bis zu 4,7 Millionen Paketen pro Tag im Januar 2026. Mehr als 90 % dieser Pakete stammen aus China, was Belgiens Rolle als eines der wichtigsten Einfallstore zum europäischen Binnenmarkt bestätigt.
Hinter diesem massiven Zustrom von online verkauften Produkten, Kleidung, Kosmetika, Spielzeug oder Sicherheitsschuhen, verbergen sich jedoch erhebliche Risiken für die Sicherheit der Verbraucher und den fairen Wettbewerb. Analysen zeigen, dass bis zu 40 % der importierten Produkte nicht den europäischen Sicherheits- und Qualitätsnormen entsprechen, während bis zu 90 % nicht vollständig mit den europäischen Vorschriften übereinstimmen.
Dieses Modell, das auf Millionen einzelner Sendungen zu sehr niedrigen Kosten basiert, wirft auch bedeutende Umweltfragen in Bezug auf Transport, Abfall und Nachhaltigkeit auf.
Wirtschaftsmotor
Es geht auch darum, Belgien in die Lage zu versetzen, die wirtschaftlichen Chancen des digitalen Handels voll zu nutzen und gleichzeitig entschlossen gegen unlauteren Wettbewerb und gefährliche Produkte vorzugehen. E-Commerce ist heute ein wichtiger Motor der belgischen Wirtschaft. Etwa ein Drittel der belgischen Unternehmen verkauft über E-Commerce-Kanäle, während der elektronische Handel mittlerweile fast 30 % des Gesamtumsatzes belgischer Unternehmen ausmacht, weit über dem europäischen Durchschnitt von 19 %. „Wir sind nicht gegen E-Commerce. Wir sind gegen Dumping und das Fehlen von Regeln“, präzisiert der Wirtschaftsminister.
Kontrollen und Maßnahmen
Der Aktionsplan gliedert sich in acht strategische Achsen: die Stärkung der Marktüberwachung und der Produktsicherheit, eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Zoll und Inspektionsdiensten, die fortschreitende Digitalisierung der Kontroll- und Datensysteme, eine strukturelle Zusammenarbeit mit Online-Plattformen, einen besseren Schutz und eine bessere Sensibilisierung der Verbraucher, die Unterstützung belgischer Unternehmen und KMU, einen soliden europäischen Rechtsrahmen sowie eine verstärkte Verteidigung der belgischen Interessen im internationalen digitalen Handel.
Der Plan sieht insbesondere Folgendes vor :
- Eine aktivere belgische Beteiligung an der europäischen Politik mit besonderem Augenmerk auf Produktsicherheit, Zollkontrollen und fairen Wettbewerb, insbesondere gegenüber neuen Geschäftsmodellen wie B2B2C und Dropshipping, um eine wirksame und einheitliche Anwendung der Regeln im Binnenmarkt sicherzustellen.
- Ein an das Wachstum des E-Commerce angepasstes Modell zur Kontrolle der Einhaltung der Vorschriften. Ziel ist es, das Kontrollmodell für diesen riesigen neuen Online-Markt weiterzuentwickeln, die Maßnahmen der verschiedenen Behörden effizient zu koordinieren und von reaktivem Eingreifen zu proaktiver, datenbasierter Überwachung überzugehen.
- Eine strengere Regelung der Vergabe der Domain „.be“, damit Unternehmen mit Sitz außerhalb der Europäischen Union diese nicht ohne ausreichende Garantien nutzen können, da belgische Verbraucher eine „.be“-Website stark mit Vertrauen und Sicherheit beim Online-Einkauf verbinden, sowie eine Intensivierung der Kontrollen und der Zusammenarbeit zwischen den zuständigen Diensten mit Unterstützung digitaler Technologien, um Betrug besser zu erkennen und zu verfolgen.
5 Euro ab November
Die Umsetzung des Aktionsplans wird von den zuständigen Verwaltungen sichergestellt, namentlich vom FÖD Wirtschaft, dem FÖD Volksgesundheit, dem Zoll und dem BIPT. Auch eine strukturelle Nachverfolgung, eine verstärkte Koordination zwischen den Verwaltungen sowie eine kontinuierliche Bewertung der verschiedenen Maßnahmen sind vorgesehen.
Diese Maßnahmen stehen ganz in der Linie der europäischen Maßnahmen im Bereich E-Commerce. Zur Erinnerung: Ab dem 1er Juli 2026 wird die Befreiung von Zöllen auf Kleinsendungen aus Ländern außerhalb der EU aufgehoben, mit der Einführung eines Pauschalzolls von 3 Euro pro Produktgruppe. Ab November 2026 wird eine Verwaltungsgebühr von 2 Euro pro Sendung fällig. Diese Maßnahmen werden zu höheren Kosten führen, gleichzeitig aber die Kontrollen verstärken, das Interesse an Sendungen mit geringem Wert verringern und für fairere Wettbewerbsbedingungen sorgen.
Minister David Clarinval freut sich über die von der Taskforce erarbeiteten Maßnahmen: „ Mit „E-commerce PLUS“, wollen wir die Verbraucher , die online einkaufen besser schützen und gleichzeitig faire Wettbewerbsbedingungen für unsere Unternehmen gewährleisten. Wir handeln auf allen Ebenen : verstärkte Koordination zwischen den Behörden, Informationsaustausch , Einsatz von Technologien zur Verbesserung der Kontrollen und eine strengere Regelung der Nutzung der Domain „.be“. Unternehmen außerhalb der EU müssen künftig einen europäischen Vertreter benennen, um für die Behörden vollständig erreichbar zu sein und das Vertrauen in den Online-Handel zu stärken. “
Jan Jambon, Finanzminister: „Mit mehr als 3,6 Millionen Paketen, die täglich durch Belgien transitieren, stehen unsere Zolldienste an vorderster Front. Dieser Plan sieht Hebel vor, die es künftig ermöglichen werden, effizienter zu handeln, unter anderem durch eine bessere Koordination, den Einsatz digitaler Werkzeuge und eine verstärkte Zusammenarbeit mit unseren europäischen Partnern. Ab Juli entfällt die derzeitige Befreiung von Zollabgaben für kleine Sendungen unter 150 Euro. Sie wird durch ein vereinfachtes System mit einem pauschalen Zollsatz oder ‚Flat Rate‘ von 3 Euro pro Paket ersetzt. Günstige kleine Pakete von außerhalb der EU werden also nicht mehr vollständig befreit sein. Wir stellen das Gleichgewicht zwischen den Marktakteuren wieder her und schützen gleichzeitig die belgischen Verbraucher vor nicht konformen Produkten.“
Jean-Luc Crucke, Mobilitätsminister: „Der Aufschwung des E-Commerce geht mit einem wachsenden Zustrom von Produkten einher, die nicht immer den europäischen Normen in Bezug auf Umwelt, Sicherheit oder Menschenrechte entsprechen. Diese Situation führt zu unlauterem Wettbewerb für Unternehmen, die die Regeln einhalten und in verantwortungsvolle Praktiken investieren. Angesichts der Risiken von Sozial- und Umweltdumping ist es unerlässlich, die Kontrollen, die Zusammenarbeit zwischen den Behörden und die Transparenz der Informationen zu verstärken, um die Verbraucher besser zu schützen und einen fairen Wettbewerb zu unterstützen. Genau das ist das Ziel dieses föderalen E-Commerce-Plans.“
Vanessa Matz, Ministerin für Modernisierung des öffentlichen Dienstes, zuständig für Digitales: „Die Domain .be ist weit mehr als eine einfache Webadresse. Für viele Verbraucher, Unternehmen und Organisationen ist sie auch ein Vertrauenszeichen, ein Garant für Qualität und Nähe. In einem digitalen Umfeld, in dem Betrug, Identitätsdiebstahl und irreführende Inhalte zunehmen, ist die Stärkung der Zuverlässigkeit von .be von zentraler Bedeutung. Mit diesen Maßnahmen stärken wir die Zuverlässigkeit von .be und bieten Online-Käufern einen konkreten zusätzlichen Schutz.“
Eleonore Simonet, Ministerin für Selbstständige und KMU: „Ich freue mich über diese neue Konkretisierung einer Maßnahme des KMU-Plans. Als Ministerin für Selbstständige und KMU ist meine Priorität klar: unsere Selbstständigen und lokalen Geschäfte vor mitunter unlauterem Wettbewerb zu schützen, insbesondere jenem bestimmter außereuropäischer Plattformen.
Unsere Einzelhändler und Selbstständigen arbeiten jeden Tag mit Mut und Entschlossenheit. Sie schaffen Arbeitsplätze, beleben unsere Stadtzentren und Viertel, investieren vor Ort und tragen durch die Zahlung ihrer Steuern hier zu unserem gemeinsamen Wohlstand bei. Der Plan E-commerce PLUS sowie die Steuer auf kleine Pakete verfolgen ein einfaches Ziel: unsere Selbstständigen besser vor einer Konkurrenz aus der Ferne zu schützen, die nicht immer denselben sozialen, steuerlichen oder ökologischen Standards entspricht. “